Haus Fensterseifen
Geschichte
Im Jahre 58 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Cäsar das gesamte linksrheinische Gebiet bis zum Rhein, der danach mehrere
Jahrhunderte lang die Grenze des Römischen Reiches gegenüber dem germanischen Stämmen bildete. Bereits in der Römerzeit stand an der Stelle des
jetzigen Ortes Bermel ein Gutshof. Das bewies eine Entdeckung, die Gemeindevorsteher Peter Kirst im Sommer 1903 in einem Schutthaufen
in seiner Wiese im "Augel", wo die Elz in scharfem Bogen an dem Anschauer Berg vorbeifließt, machte. Es traten die Überreste eines
Römischen Badezimmers zutage. Die Heizanlage befand sich zum Teil noch in gutem Zustand.
Ebenso entdeckte er Bruchstücke bunter Wanddekorationen. Auf den umliegenden Hügeln in den anstoßenden Wiesen, die ebenfalls
Trümmerhaufen bargen, mußten die Ställe und Wohnungen der Dienserschaft gestanden haben. Außerdem fand Kirst dort eine 60 - 70 cm große
Figur der Fortuna. Diese wurde nach Bonn ins Museum gesandt und dort aufgestellt.
 
Von den Anfängen Bermels bis zur Franzosenzeit
Nach der Völkerwanderung siedelten in der Eifel die Franken. Das vereinzelt schon durch römische Händler und Soldaten bei den
ursprünglich in der Eifel wohnenden keltisch-germanischen Volksstämmen bekannt gemachte Christentum breitete sich unter den Heiligen Kastor,
Acharius und Bonifatius in diesem Gebiet aus. Ob zu dieser Zeit Bermel als Ort bestand, gegründet oder wann er gegründet
wurde, ist ungewiß. Urkunden über die Anfangszeit sind bis jetzt unbekannt. Der Sage nach soll Bermel ursprünglich eine
Stadt gewesen sein, worauf ein großer Brunnen und vieles Gemäuer im Kleinbermel hinweisen könnten. In einem Vertrag vom
12. Januar 1275 zwischen dem Polcher Märkern und Erben sowie dem Grafen Heinrich von Virneburg befindet sich der Name "rivus Vinstersife"
( Bach Fensterseifen). Ob das zu Bermel gehöhrende Fensterseifen bereits damals bestanden hat, läßt sich aus dieser Urkunde nicht ableiten.
Im Jahre 1745 vernichtete ein großer Brand den Ort Bermel bis auf zwei Häuser.
 
Bermel während der französischen Revolution und unter Napoleons Herrschaft
Während der französischen Herrschaft (1794 - 1814) gehörte Bermel zum Kanton Virneburg im Rhein-Mosel-Departement
Koblenz und besaß zusammen mit den Höfen Hainen, Fensterseifen, Götzershof und Glückshof eine Gemarkung von
199 ha Ackerland, 28 ha Wiesen und 199 ha Waldungen.
 
Bermel im 19. Jahrhundert
Nach Napoleons Niederlage erhielt Preußen auf dem Wiener Kongreß 1815 die linksrheinischen Gebiete. Es wurde die preußische
Rheinprovinz gebildet, deren Oberpräsident in Koblenz residierte. Der Beginn der Rheinprovinz war auch der Anfang des Landkreises Mayen.
Im Jahre 1870 brach in Fensterseifen ein Feuer aus. Verursacher war ein kleines Mädchen, das unter einem Holzschuppen ein Feuer
angezündet hatte. Wegen der raschen Ausbreitung des Brandes war in kurzer Zeit der ganze Hof mit Ausnahme eines Hauses ein Opfer
der Flammen.
 
Die Zeit ab der Jahrhundertwende bis zum Ende des Ersten Weltkrieges
Die meisten Bewohner Bermels lebten von der Landwirtschaft. Es gab Verluste durch Unfälle und Krankheiten zu beklagen, 1912 sichtete man
das erste Luftschiff und der Winter 1913/14 was äußerst streng. 1914 bis 1918 nahmen einige Bermeler am Krieg teil und es kehrten
leider nicht alle von ihnen zurück.
 
Die Nachkriegszeit bis 1933
Am 2. März 1922 brannte zum ersten Mal in den Häusern und auf den Straßen Bermels elektrisches Licht.
 
Bermel während des Dritten Reiches bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges
Am 20. November 1933 lief das erste Leitungswasser in den Häusern, die Freude war sehr groß.
 
Der Ort ab 1945
Bei der ersen Bundestagswahl am 14. August 1949 wählten von 170 Wahlberechtigten Bermels 146 Personen. Es entfielen auf die CDU 121 Stimmen,
die SPD erhielt 11 Stimmen und die FDP konnte für sich 8 Stimmen verbuchen. 6 Stimmen waren ungültig.
 
Der Leiter der Verkehrsbehörde besuchte den Ort Fensterseifen, da einige Bürger seit langem auf die gefährliche
Ausfahrt der Mündung Fensterseifen zur L 96 hingewiesen hatten. Beim Passieren der Ausfahrt kam es zu einem Verkehrsunfall
mit dem Dienstwagen. Es gab leichte und schwere Verletzungen und beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Als Sofortmaßnahme
ließ die Kreisverwaltung die Einfahrt sperren und von der Werkstraße her einen neuen Wegeanschluß nach
Fensterseifen schaffen.
Im Jahre 2002 wurde Fensterseifen an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Die Zeit der Klärgruben ging somit zuende.
Außerdem bekamen die Bürger von Fensterseifen neue Straßenlaternen.
Die Römerzeit
1331 gehörte Bermel in den Zuständigkeitsbereich des Virneburger Hochgerichtes Masburg.
Laut Urkunde vom 23. Oktober 1548 herrschte der Trierer Kurfürst als Landesherr über Bermel
Bis zum Einzug der Franzosen in die Eifel 1794 gehörte Bermel zu Kurtrier im Amte Mayen, bezüglich der Polizei- und Zivilverwaltung
zum kurtrierischen Gerichtsbezirk Monreal.
Der zu Bermel gehöhrende Fensterseifenhof war im 18. Jahrhundert bloßes Bauerngut im Besitz der Einwohner.
Einzelne Häuser des ehemahligen Hofes Fensterseifen wurden ca. 1880 wieder aufgebaut, eines davon ist Haus Fensterseifen.
Ein Balken der Einfahrt des originalen Hofes Fensterseifen wurde in Haus Fensterseifen wieder eingebaut.
Im Jahre 1919 gründeten die Familie Reißdorf, Köhler, Mellmann aus Köln eine Jagdgesellschaft in Fensterseifen und
bauten den Hof Simon zum Jagdhaus um.
Die Menschen in der Region litten unter Arbeitslosigkeit, Mißernten, Überschwemmungen und strengen Wintern bis zu - 32 Grad Celsius.
Laut Zeitungsberichten erfroren ganze Rudel Rehe und Hirsche.
Am Weihnachtsabend 1925 erhielt auch Fensterseifen endlich elekrtrisches Licht. Am 16. Juli 1927 schlug in Fensterseifen in den Stall des
Franz Arenz ein Blitz ein, zersplitterte das Dach und erschütterte die Mauern, so daß sie einstürzten.
Das Vieh wurde getötet bzw. verletzt.
Am 29. März 1936 stimmten 92 % aller Deutschen für Hitlers Politik, in Bermel waren damals von 120 Wahlberechtigten 115 für und 5
Stimmen gegen Hitler. Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam eine Baukompanie der Deutschen Wehrmacht ins Dorf. Diese Truppe
arbeitete an der Elzer Straße. Britische Flugzeuge warfen in der Nacht vom 12. zum 13. April 1942 auf Bermel etwa 400 Brandbomben ab.
Es wurden drei Gebäude getroffen, die Bewohner und das Vieh blieben glücklicherweise unbeschadet.
Der 24. Februar 1945 war für die Gemeinde Bermel ein Unglückstag. Gegen Abend um 17:30 Uhr fiel eine schwere Bombe mitten in das Dorf und tötete sieben Menschen,
einige wurden schwer oder leicht verletzt. Am 10. März 1945, einem Samstag, fuhr das erste amerikanische Auto ins Dorf. Groß war
die Freude in Bermel über das Ende des Krieges am 08. Mai 1945. Endlich gehörte die Zeit der Verdunkelung und die Schrecken der
Bombenangriffe der Vergangenheit an.
Seit 1949 fuhr ein Bus dienstags und donnerstags von Bermel nach Mayen. In Fensterseifen praktizierte ein aus dem Osten vertriebener Arzt.
Es gab Theaterabende und es kehrten Familienanghörige aus der Kriegsgefangenschaft zurück.
Im Frühjahr 1956 nahm das Bermeler Hartsteinwerk der Baufirma Toni Hillesheim den Betrieb voll auf.
Viele Bermeler konnten nun an Ort und Stelle beschäftigt werden.
Am 5. Juli 1957 ereignete sich im Steinbruch ein schweres Unglück, das zwei Tote und drei Schwerverletzte forderte. Im Herbst 1957
forderte die "Asiatische Grippe" im Dorf zwei Todesopfer.
Der Besitzer des Brechwerkes, Toni Hillesheim, erwarb in Fensterseifen das Jagdhaus Mellmann und baute es zu einem kleinen Schlößchen für
private Zwecke um. Mit diesem Grundstückswechsel ging die Ära Mellmann zu Ende, welche 36 Jahre den Jagdbesitz in Bermel führte.
Fensterseifen erhielt eine neue Straße, welche teilweise als Wirtschaftsweg von der Firma Hillesheim ausgebaut wurde.
Man verbesserte die Wasserversorgung und die Landstraße 96 wurde neu ausgebaut. Der Klein-Bermel wurde auf Antrag der
Bezirksregierung unter Naturschutz gestellt.
1980 konnte das Wohnhaus der Eheleute Johann Laubenthal aus Fensterseifen beim Kreiswettbewerb "Das schönste Fachwerkhaus"
einen 4. Platz erringen. Es gab eine Ehrenurkunde und einen Geldbetrag in Höhe von 500 DM. Da auch die anderen Bürger
von Fensterseifen ihre Häuser und Anlagen vorbildlich gepflegt haben ist Fensterseifen mit Recht der schönste
Ortsteil von Bermel.
Am 5. Juni 1982 konnten die Eheleute Johann und Katharina Laubenthal in Fensterseifen das seltene Fest ihrer diamantenen Hochzeit
feiern. Es ist das erste mal in der Geschichte Bermels, daß ein Jubelpaar dieses seltene Fest feiern konnte. Die gesamte
Dorfbevölkerung gratulierte zu diesem Ehrentag recht herzlich.
 
Quelle: u. a. Chronik Bermel von Winfried Schubert
© Haus Fensterseifen
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